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Kommunalpolitische Bausteine zur Kommunalwahl 2006

Kultur

Kultur für alle Subkulturen

Darmstadt hat ein sehr reiches Kulturleben: mehr als 8 Theater, 3 Musik-Institute, mehrere Orchester, zwei große Bibliotheken, 10 Museen, viele Bands, Spielmannszüge, den Radiosender RaDar, Pflastermaler, Musik fahrender Leute, die freie Theaterszene im Mollerhaus, das Hofarttheater, die Bessunger Knabenschule, usw. In Sachen Kultur zerfällt die Bürgerschaft in viele Subkulturen. Das reicht vom Theaterprogramm über Museen, das kommerzielle Schlossgrabenfest bis zu den sich selbst verwirklichenden Sprayern, von Beuys bis zur Stadtbibliothek. Sie umfasst die Konzerte in Kirchen und an Schulen, aber auch Projekttage in Kindertagesstätten mit eigenen Bildern, Knetfiguren und Musik.

Die gesamte bunte Szene nicht-staatlicher, nicht-städtischer Kultur dagegen muss sich mit 0,5 Mio. Euro Zuschüssen begnügen. Sie umfasst Kulturräume, Theater und Orchester, so z. B. den Bessler-Spielmannszug, das Bessunger Kammerorchester, das Halbneun-Theater, das Frauenkulturzentrum und das Mollerhaus. Dieses pralle Füllhorn von kulturellen Initiativen erhält also nicht einmal 2 % des gesamten Kulturetats! Was in Krakau oder Paris gerühmt wird, wird in Darmstadt geradezu versteckt: die alternative Kultur. Offiziell scheint Darmstadt aus dem Jugendstil, dem Hundertwasserhaus, der Mathildenhöhe und den Hinterlassenschaften derer von Hessen und bei Rhein zu bestehen. Wie gesagt: Kultur muss breit angelegt sein sie gehört allen Gruppen und Schichten der Gesellschaft.

Oetinger Villa bleibt

Die Darmstädter Jugendkultur darf nicht gegen das Polen-Institut ausgespielt werden. Darmstadt darf auch nicht junge Erwachsene herumschubsen und ihre Kultur zur Verschiebemasse machen. Für das Institut und seine wachsende Bibliothek gibt es statt der Oetinger Villa mit teurem Umbau bessere Adressen, zum Beispiel das Darmstädter Schloss.

Die Stadt scheint übrigens auch bei der Verwaltung der eigenen Versammlungs- und Kongressräume keine geschickte Hand zu haben, denn diese sind hoch defizitär. Die Kosten werden gerade zu 62% gedeckt. Das war auch beim Kongresssaal im Luisencenter schon so, und es wird wahrscheinlich bei einem künftigen Kongresszentrum auch nicht anders sein. Es ist sogar zu fürchten, dass die Nutzungsquote weiter fallen wird. Auch die Umwandlung in einen Eigenbetrieb hat diese Entwicklung nicht geändert.

Darmstadt braucht:

  • Die Bildung eines Kulturrates, dessen Mitglieder alle Kulturträger sein müssen, die städtische Mittel erhalten, darunter auch die Schulen, Jugend- und Sozialeinrichtungen. Dieser Rat wird bei der Verteilung der Mittel beteiligt. Er ist berechtigt, Vorschläge und Anfragen in die Stadtverordnetenversammlung zu tragen.
  • Eine Öffnung des Staatstheaters zur Zweit- oder Parallelnutzung, um den Nutzungsgrad zu verbessern.
  • Die Freigabe von nicht genutzten städtischen Liegenschaften zur Zwischennutzung durch alternative Kulturprojekte, z.B. durch LandArt.
  • Die Ausweisung von Sprayflächen für Jugendliche.
  • Die Auslobung eines jährlichen Jugendkulturpreises.
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