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Kommunalpolitische Bausteine zur Kommunalwahl 2006

Verkehr in Darmstadt

Verkehr in Darmstadt

Verkehr ist kein Naturereignis. Es ist Kommunalpolitik, Verkehr nicht einfach geschehen zu lassen, sondern in für unsere Stadt erträgliche Bahnen zu lenken.

Das Problem in Darmstadt wie in vielen anderen Städten sind nicht die zu wenige Straßen es sind die zu vielen Autos.

Eins der meist diskutierten Verkehrprojekte in Darmstadt ist

Die Nordost-Umgehung

Wir lehnen die Nordost-Umgehung u.a. ab, weil

  • dadurch das Verkehrsaufkommen in der Innenstadt (Landgraf-Georg-Straße und Heinrichstraße) höchstens um 10 % entlastet wird und dafür rund 100 Millionen Euro entschieden zu teuer sind. Die Straße wird eher mehr Verkehr in die Innenstadt hineinsaugen.
  • die Abgase aus dem Autotunnel an drei Stellen ungefiltert in die Luft geblasen werden: am Tunnelein- und Ausgang und am Fohlenhof, direkt in den Bürgerpark und in die Sportplätze hinein, Darmstadts größtes Freizeitgelände.
  • der Name Nordost-Umgehung eine völlig falsche Bezeichnung für eine Trasse ist, die mitten durch die Stadt gehen soll: vom Ostbahnhof zwischen Mathildenhöhe und Rosenhöhe über die Wolfskehlstraße, die August-Buxbaum-Anlage hinunter, durch die Kleingärten am Spessartring, Karlshof und den Bürgerpark hindurch. Viele Grünflächen werden zerstört und zerschnitten.
  • ein solcher Trassenbau immer zu weiteren Straßenbaumaßnahmen führt. Planungen zufolge ist für die Landgraf-Georg-Straße und den City-Ring eine vierspurige Straßenführung vorgesehen, die eine Weiterführung bis zur Gräfenhäuser Straße und Westwald-Anbindung zur Folge haben wird. Auch eine Weiterführung der B 26 bis zum Ostbahnhof wird erforderlich sein. Die Finanzierung dieser Projekte ist völlig unsicher, da innerstädtische Verkehrsinvestitionen nicht in die Zuständigkeit des Bundes fallen.
  • jeder Straßenneubau Verkehr anzieht und Stau nicht grundsätzlich verhindert, er verlagert ihn nur an andere Stellen.

Pro Tempo 30

In Darmstadt kommen auf ein Kind fünf Kfz. Unfalluntersuchungen vor und nach der Einrichtung von Tempo 30-Zonen zeigen, dass die Zahl der Unfälle bis zu 25% abnimmt. Besonders starke Rückgänge sind bei den Unfällen mit Personenschäden, insbesondere mit Schwerverletzten, zu verzeichnen.

Tempo 30 stellt vor allem einen Sicherheitsgewinn für Fußgänger und Radfahrer dar, also für die Verkehrsteilnehmer, zu denen Kinder zu zählen sind, wenn sie sich selbständig bewegen.

Tempo 30 bedeutet:

  • Mehr Sicherheit durch kürzere Anhaltewege.
  • Die Breite der Fahrspuren kann geringer sein.
  • Weniger Lärm: 10 Autos mit Tempo 30 sind so laut wie 5 Autos mit 50 km/h.

Preise runter bei Bus & Bahn!

Wer, alleine oder mit Familie, mit Bus & Bahn unterwegs ist, hat viele Gründe dies zu tun:

  • man hat kein eigenes Auto, weil es zu teuer ist
  • man fährt aus Gründen des Umweltschutzes bewusst Bus & Bahn
  • man hat keinen Führerschein
  • man möchte in Ruhe und ohne Hektik vorankommen

Der öffentliche Nahverkehr ist ein zentraler Wert in einer modernen Gesellschaft, dient er doch der Mobilität für jedermann. Ob arm oder reich spielt hier keine Rolle.

Für eine Fahrt von Darmstadt nach Frankfurt zahlt man 6,25 Euro. Hin- und zurück macht dies also 12,50 Euro. Eine für viele Menschen nicht gerade geringe Summe. Je nach Tageszeit verbringt man die Fahrt im Stehen: Die Züge sind zu den Berufsverkehrszeiten morgens und abends oft proppevoll.

Auch innerhalb des Stadtgebietes sind die Preise einer Fahrt unverhältnismäßig teuer: Für drei Stationen vom Hauptbahnhof zum Luisenplatz zahlt man 1,35 Euro. Von der Wartehalle in Eberstadt bis nach Bessungen 1,75 Euro, ebenso für die Fahrt von der Innenstadt zum Oberwaldhaus.

Wir sind der Ansicht, dass man nicht einerseits in permanenten Appellen an die Bevölkerung für mehr Umweltschutz und die Benutzung von Bus & Bahn statt dem Auto werben kann, auf der anderen Seite die Fahrpreise aber jährlich immer weiter steigen!

Wir treten ein für:

  • Die Schaffung einer günstigen Umweltmonatskarte für ganz Darmstadt für 30 Euro.
  • Die Einführung eines großen Tarifgebietes für Darmstadt und Umgebung mit nur einem Preis.
  • Die Einführung eines Darmstadt-Pass mit 50% Ermäßigung auf die Normaltarife für Arbeitslose und Geringverdiener.
  • Die Einführung eines günstigen Kurzstreckentarifen für bis zu 4 Haltestellen.

Zur Verbesserung des Nahverkehrs in Darmstadt sind aber weitere Maßnahmen notwendig, damit er eine gute Alternative zum Individualverkehr wird.

Darmstadt braucht:

  • Die Straßenbahn nach Weiterstadt.
  • Die Reaktivierung der Bahnverbindung nach Pfungstadt, damit lange Fahrtzeiten der Vergangenheit angehören.
  • Die längst geplante, aber noch nicht realisierte Busspur zwischen Trautheim und Böllenfalltor.
  • Die Verlängerung der Straßenbahnlinie 8 bis Zwingenberg.
  • Die Ausweitung der Fahrzeiten auch Wochentags auf mind. 1.30 Uhr nachts.

Das RMV-Studierendenticket als Bestandteil der Semestergebühr hat sich als Erfolgsmodell herausgestellt. Es muss erhalten bleiben.

Rußfilter für alle Busse!

Es sollte selbstverständlich sein, dass Busse und Bahnen den Stand der Technik für Abgas erfüllen. Die DADINA muss hierzu bei Ausschreibungen Rußpartikelfilter (und Redox-Anlagen zur Senkung der Stickoxide) an Dieselfahrzeugen zur Auflage machen. Für den Stadtverkehr kommt auch der Einsatz von Erdgas für Busse (wie in Rüsselsheim und Marburg) in Frage.

Die Güterbahn

Der Güterverkehr auf der Odenwaldbahn ist stillgelegt. Dies bedeutet für Darmstadt mehr Lkw-Durchgangsverkehr. Daher soll die Stadt durch Verhandlungen dafür sorgen, dass der Güterverkehr wieder aufgenommen wird.

Bus und Bahn globalisiert

Die HEAG hat schon vor Jahren die private Busgesellschaft Glück & Seitz aus Jugenheim erworben. Neue Fahrer mussten bei dieser Gesellschaft anheuern mit schlechteren Lohnbedingungen. Die Umbenennung in HEAG mobilo wird hieran nichts ändern. Die in öffentlichem Auftrag handelnde Nahverkehrsgesellschaft DADINA muss 2009 den Nahverkehr ausschreiben, um ihn neu zu vergeben. HEAG mobilo darf sich dann beteiligen. Was passiert wenn die HEAG den Wettbewerb verliert mit den fast 400 Beschäftigten? Daher fordern wir: In der städtischen Ausschreibung müssen die sozialen Mindeststandards, vor allem der Tarif, vorgeschrieben werden.

Im Jahre 1997 wurden die Triebwagen der Straßenbahn für ein so genanntes Cross-Border-Leasing-Geschäft mit Partnern in den USA verpfändet. Dieses Monopoly-Geschäft ist bis jetzt öffentlich nicht bekannt und offen gelegt. Wir haben auf unsere Anfragen erfahren, dass Stadtverordneten hierüber keine Auskunft zustehen soll!

Fahrradverkehr fördern

Unsere überwiegend flache Stadt bietet sich zum Rad fahren geradezu an. Ebenso die Überschaubarkeit von Gesamt-Darmstadt, mit der man rasch in der jeweiligen Innenstadt von Darmstadt, Eberstadt oder Arheilgen ist, am Bahnhof oder auch im Wald. In den letzten Jahrzehnten sind viele Radwege gebaut oder Radspuren markiert worden. Das Ergebnis lässt guten Willen erkennen. Bei einem Test von ADFC und BUND landete unsere Stadt immerhin auf dem 9. Platz von 29 Großstädten unter 200 000 Einwohnern. Dennoch gibt es im Radwegenetz erhebliche Lücken und Schwachstellen. Die (für alle Verkehrsteilnehmer) gefährlichen Stellen müssen umgehend beseitigt werden. Der Ausbau des Radwegenetzes ist zu forcieren.

Vor allem bei schönem Wetter hat die Abstimmung mit den Pedalen ein Ergebnis: Die Abstellplätze für Fahrräder reichen nicht! So zu besichtigen am Luisenplatz, hinter dem Weißen Turm, am Ernst-Ludwig-Platz und an etlichen Haltestellen der Straßenbahn. Hier ist wirklich Nachholbedarf.

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