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Werner Krone

Berufliche Bildung - ein Rätselbild

Enorme Unterschiede zwischen den Entwicklungsprogrammen für allgemeinbildende und berufliche Schulen.

Seit letztem Herbst bin ich ein frischgebackener Stadtverordneter. Bei der Verteilung der Ausschuss-Sitze wurde mir die Ehre des Schulausschusses zuteil. Nicht, dass ich mich darum gerissen hätte. Auch wenn ich noch jährlich an Klassentreffen teilnehme, liegt meine Schulzeit schon über ein halbes Jahrhundert zurück.

Ich befrage die Kolleginnen und Kollegen Stadtverordneten aus anderen Parteien, ich durchforste das Informationssystem der Stadt (das kann jeder: https://darmstadt.more-rubin1.de), ich lese die geltenden Schulentwicklungsprogramme. Und da bin ich schon verwirrt. Denn es gibt deren zwei: einen Plan A für die allgemeinbildenden Schulen und einen Plan B für die beruflichen. Und diese beiden Pläne scheinen verschiedene Bildungswelten zu meinen.

Blättert man den Schulentwicklungsplan für allgemeinbildende Schulen durch, ist dort die Welt in Ordnung: aus der Bevölkerungsentwicklung folgen Schülerzahlen, folgen Bedarfe für Grund- und weiterführenden Schulen. Die Schulen werden dann einzeln mit Fotos vorgestellt. Standortprobleme bestehen nicht. Keine Schule ist zu klein.

Wer sich nicht auskennt, sucht sie in diesem Plan auch nicht: die Alice-Eleonoren-Schule (AES). Dabei kann dort der Hauptschulabschluss nachgeholt werden, der mittlere Bildungsabschluss und die Fachhochschulreife erworben werden. Wenn eine Schule für Durchlässigkeit im Bildungssystem steht, dann ist es diese. Also sollte sie auch im Schulentwicklungsplan für allgemeinbildende Schulen erscheinen.

Im Gegensatz dazu liest sich der Schulentwicklungsplan für berufliche Schulen (BEP) anders. Alles ist problematisch: Erfahrungen veralten schneller, Schüler aus Einwandererfamilien, unterschiedliche Bildung und Interesse, weniger Lehrstellen, dadurch mehr Vollzeitschüler.

Es werden Standortfragen erörtert, aufgehängt an z.T. nicht weiter dargestellten Problemen:

"Zwei Schulen sind durch die Verteilung auf mehrere Nebenstellen stark belastet. Pendelbewegungen von Lehrenden und Schüler/innen sind zeitintensiv und teuer, auch wird die innere Schulentwicklung erheblich behindert."

Eine der damit gemeinten Schulen ist die AES. Da mache ich das, was ich schon längst hätte tun sollen: ich frage Betroffene. Die sehen in den drei Standorten (Kapellplatz, Kyritzschule und Martinstraße) überhaupt kein Problem. Da sei mal ein Gutachter gewesen, weiter als bis ins Rektoratszimmer sei er aber nicht gekommen, an Unterricht hätte er auch nicht teilgenommen. Was ist das Gutachten denn dann wert, frage ich mich...

Inzwischen habe ich festgestellt, dass wir in Darmstadt nicht sechs berufliche Schule haben, sondern gleich fünfzehn. Wenn der Schuldezernent von Konzentration auf drei Standorte spricht, wie will es das denn hinkriegen? Ob die neun anderen, nichtstaatlichen Schulen das mitmachen werden? Zwar bekommen auch sie öffentliche Mittel, schicken Arbeitsagentur und Jobcenter Menschen dorthin. Doch trotz hoher Zuwachsraten bleiben sie außen vor bei jeder Betrachtung.

Ich werde in Sachen Schulen und Bildung noch viel lernen müssen...