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Antrag "Umbenennung des Beyerweges in Arheilgen"

Diese, bisher nach dem nationalsozialistischen Maler Adolf Beyer benannte Straße, möge künftig den Namen des Grafikers und Zeichners Helmut Lortz oder den des Widerstandskämpfers Philipp Benz tragen.

Der Magistrat möge beschließen:

Die Verbindungsstraße "Beyerweg" zwischen Römerstraße und Blütenallee in Darmstadt-Arheilgen so bald als möglich umzubenennen.

Der Beyerweg in Darmstadt-Arheilgen, eine Verbindungsstraße zwischen der Römerstraße und der Blütenallee, ist benannt nach Adolf Beyer. Der Katalog "Straßenbenennung in Darmstadt - Straßenverzeichnis der Stadt Darmstadt mit Erläuterungen zur Namensgebung" weist dies mit dem Textzusatz "benannt nach Prof. Adolf Beyer (1869-1953), Darmstädter Maler" aus. Der Verbindungsweg wurde am 12.12.1973 nach Adolf Beyer als "Beyerweg" benannt.

Das Lexikon "Von Adelung bis Zwangsarbeit - Stichworte zu Militär und Nationalsozialismus in Darmstadt" (siehe http://www.dfg-vk-darmstadt.de/index_lexikon_auflage2.htm) weiß in seiner zweiten Auflage folgendes von Adolf Beyer zu berichten:

"Beyer fühlte sich schon in den 20er Jahren der faschistischen Bewegung, sprich den Nationalsozialisten, verbunden ... 1931 malte er in der Zeit des Verbotes der NSDAP ein großformatiges Ölgemälde, das Adolf Hitler in kämpferisch-heroischer Pose darstellte. Er gab seinem Werk den Titel: "Der Führer in der Kampfzeit". Im Zuge der faschistischen Machtergreifung wurde dieses von der Hessischen Landesregierung erworben und erhielt im Staatsministerium einen "Ehrenplatz".

Beyer war bekennendes Mitglied der NSDAP. Eine Stadtverordnetenliste führte den in der Annastraße 61 wohnhaften Adolf Beyer als Ratsherrenmitglied seit 1933 auf. Von Anfang an hatte er seinen Sitz im faschistisch gleichgeschalteten Darmstädter Rathaus. Als 1934 die "Deutsche Frühjahrsausstellung" und 1935 die "Darmstädter Kunstschau deutscher Meister" stattfand (siehe Entartete Kunst), war Adolf Beyer derjenige, der als Verantwortlicher dem völkisch-nationalen Kunstverständnis des NS-Regimes eine breite Öffentlichkeit verschaffte. Der faschistische Oberbürgermeister Wamboldt in Darmstadt würdigte Beyer im Rahmen des ihm 1934 verliehenen Kulturpreises der Stadt Darmstadt als jemanden, der sich "... nach der nationalsozialistischen Machtergreifung ...rückhaltlos zur Erfüllung der kunst- und kulturpolitischen Aufgaben der Stadt zur Verfügung gestellt hat". Im Rahmen von Eröffnungsreden verschiedener Kunstausstellungen, u.a. auch auf der Mathildenhöhe, brachte er sein Verhältnis zur NS-Diktatur immer wieder zum Ausdruck. Er sprach davon, dass er eine Kunstschau bieten will, die dem "Wunsch des Führers" entspräche und in der zum Ausdruck kommen sollte, "... daß kein anderes Volk der Welt uns künstlerisch überlegen ist." In einem polemischen Vorwort im Ausstellungskatalog der "Deutschen Frühjahrsausstellung", die von März bis September 1934 auf der Mathildenhöhe stattfand, ließ sich Adolf Beyer über den "... in der ganzen Kunstgeschichte beispiellosen Niedergang" aus: Die "Herrschaft des Minderwertigen" hätte den Deutschen eingeredet, "es gäbe keine deutsche Kunst mehr". Auch benannte er die Schuldigen dieser Entwicklung: "... fremdrassiges Händlertum, gänzlich verbildete Literaten und Kunstschwätzer." Als "Zeichen des Verfalls, trauriges Treiben und Schreckenskammern" bezeichnete er u.a. die Nationalgalerie in Berlin, die mit der Anschaffung von "gehobenen Vertretern einer rohen Unkunst", wie Van Gogh, Renoir, Manet etc. diesen Raum verschaffe und gleichzeitig die finanziellen Mittel zur Förderung völkisch-nationaler Kunst unsinnig verschlingen würde. Den von den Nationalsozialisten 1939 gestifteten Kulturpreis der Stadt Darmstadt erhielt er 1943 verliehen ... So wird wenigstens einem Mann gedacht, der sich während der NS-Diktatur in besonderem Maße in den Dienst der faschistischen Machthaber gestellt hatte."

Weitere Begründung mündlich.

 

Als mögliche neue Namensgeber der Verbindungsstraße zwischen Römerstraße und Blütenallee in Arheilgen, möchten wir

den Arheilger Künstler, Grafiker und Zeichner, Helmut Lortz,

Geboren wurde Helmut Lortz zwar 1920 in Schneppenhausen, er wuchs aber in Arheilgen auf und blieb dem Darmstädter Ortsteil sein Leben lang verbunden. Als Graphiker, Zeichner, Dozent an der Werkkunstschule Darmstadt und von 1959 bis 1986 als Professor für experimentelle Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Berlin, der heutigen Universität der Künste, Berlin, erlangte er einen hohen nationalen und internationalen Bekanntheitsgrad.

Helmut Lortz gehörte beinahe von Anbeginn (seit 1948) der nach den Jahren der nationalsozialistischen Kulturbarbarei erstandenen Neuen Darmstädter Sezession an. Er gestaltete über Jahrzehnte deren Kataloge, Plakate und Publikationen. Neben dem international bekannten Zeichen der "internationalen Funkausstellung Berlin" gestaltete er das allen Darmstädterinnen und Darmstädtern bekannte liebevolle Logo des Darmstädter Heinerfestes.

oder den Arheilger Widerstandskämpfer Philipp Benz vorschlagen.

Geboren wurde Philipp Benz 1912 in Darmstadt-Arheilgen, er verstarb am 13.11.2011 in Darmstadt-Arheilgen. Nach einer Maurerlehre bildete er sich zum Hochbauingenieur fort. Schon mit 14 Jahren trat er der Sozialistischen Arbeiter Jugend (SAJ) bei und engagierte sich auch bei den Naturfreunden. Er wurde 1931 Mitglied im Kommunistischen Jugendverband (KJVD), der Roten Hilfe und der KPD, übernahm Funktionen innerhalb dieser Organisationen und engagierte sich politisch gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Wegen dieser Tätigkeiten wurde er Anfang September 1933 verhaftet und in das KZ Osthofen eingeliefert. Nach seiner Entlassung wurde er arbeitslos. Ende März 1934 erneut verhaftet, wurde er vom Oberlandesgericht Darmstadt wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt, aber mangels Beweisen freigesprochen. Um den ständigen Vorladungen durch die Gestapo zu entgehen, verließ er nach seiner Freilassung Darmstadt. 1945 kehrte er nach Arheilgen zurück und engagierte sich beim Wiederaufbau der KPD, für die er auch in die Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde. Dort wurde er Mitglied des Bauausschusses und Sportausschusses, dessen Vorsitz er übernahm. 1948 wirkte er bei der Zusammenführung der Arheilger Sportvereine zur "Sportgemeinschaft Arheilgen" mit. Für seine gesellschaftlichen Aktivitäten wurde er 1973 mit der silbernen Verdienstplakette der Stadt Darmstadt geehrt und 1977 zum Ehrenvorsitzenden der "Sportgemeinschaft Arheilgen" ernannt. Er gehörte 1949 zu den Gründern der gemeinnützigen Baugenossenschaft Arheilgen.

Im Jahr 1972 gehörte er zu den Gründern der Lagergemeinschaft Osthofen und stand seitdem als Zeitzeuge Schulklassen und anderen Gruppen bei Führungen zur Verfügung. Als einer der letzten noch lebenden ehemaligen Häftlinge des KZ Osthofen unterstützte er den Förderverein Projekt Osthofen e.V. und die Landeszentrale für politische Bildung. Auch beteiligte er sich in den 1980er Jahren aktiv in der Friedensbewegung und war auch an der Entwicklung der Stadtführungen "Widerstand und Verfolgung in Darmstadt 1933-1945" beteiligt. Er wirkte im Projekt der Evangelischen. Erwachsenenbildung "Zwangsarbeit in Südhessen" mit, publizierte in der "Zeitung für Darmstadt" Artikel zur Geschichte der Arbeiterbewegung und in Leserbriefen, Zeitungsartikeln und offenen Briefen erinnerte er an die Schicksale politisch Verfolgter im NS-Regime (siehe http://www.dfg-vk-darmstadt.de/index_lexikon_auflage2.htm).

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