Diese Website verwendet Cookies.
Zum Hauptinhalt springen

Pressemitteilung "Umbenennung des Beyerweges in Arheilgen"

Diese, bisher nach dem nationalsozialistischen Maler Adolf Beyer benannte Straße, möge künftig den Namen des Widerstandskämpfers Philipp Benz oder den des Grafikers und Zeichners Helmut Lortz tragen.


Nicht nur die Hindenburgstraße sollte umbenannt werden!

Auch der Namensgeber des Beyerwegs in Darmstadt-Arheilgen ist mehr als bedenklich.

Im Gegensatz zur Hindenburgstraße, ist der Beyerweg nur eine kleine Verbindungsstraße zwischen der Römerstraße und der Blütenallee in Darmstadt-Arheilgen. Benannt ist er nach dem Darmstädter Maler Adolf Beyer.

Beyer verschrieb sich schon früh dem Faschismus, und somit den Nationalsozialisten. 1931 malte er Hitler in kämpferischer Pose und nannte das Werk

"Der Führer in der Kampfzeit". Nach der faschistischen Machtergreifung wurde das Bild von der Landesregierung erworben und erhielt im Staatsministerium einen "Ehrenplatz".

Er war Mitglied der NSDAP, und eine Stadtverordnetenliste weist ihn seit 1933 als Ratsherrenmitglied der Nationalsozialisten aus . Der faschistische Oberbürgermeister Wambold würdigte Beyer im Rahmen des ihm 1934 verliehenen Kulturpreises, weil er sich rückhaltlos zur Erfüllung der kunst- und kulturpolitischen Aufgaben der Stadt zur Verfügung gestellt hat.

Bei Eröffnungsreden verschiedener Kunstausstellungen, u. a. auf der Mathildenhöhe, brachte er sein Verhältnis zur NS-Diktatur immer wieder zum Ausdruck. Er wolle "eine Kunstschau bieten, die dem Wunsch des Führers entspricht und in der zum Ausdruck kommen soll, dass kein anderes Volk der Welt uns künstlerisch überlegen ist".

Die Stadtverordnetenfraktion DIE LINKE ist der Meinung, dass auch ein noch so kleiner Weg in Darmstadt, nicht nach solch einem Mann benannt werden sollte. Aus diesem Grund werden wir in der Stadtverordnetenversammlung am 19. Februar einen Antrag zur Umbenennung stellen.

Als neue Namensgeber schlagen wir zwei Personen vor:

Als erstes der Arheilger Wiederstandskämpfer Philipp Benz.

Geboren wurde Philipp Benz 1912 in Darmstadt-Arheilgen, und dort verstarb er auch am 13.11.2011. Nach einer Maurerlehre bildete er sich zum Hochbauingenieur fort. Schon mit 14 Jahren trat er der Sozialistischen Arbeiter Jugend (SAJ) bei und engagierte sich auch bei den Naturfreunden. Er wurde 1931 Mitglied im Kommunistischen Jugendverband (KJVD), der Roten Hilfe und der KPD, übernahm Funktionen innerhalb dieser Organisationen und engagierte sich politisch gegen den aufkommenden Nationalsozialismus. Wegen dieser Tätigkeiten wurde er Anfang September 1933 verhaftet und in das KZ Osthofen eingeliefert. Nach seiner Entlassung wurde er arbeitslos. Ende März 1934 erneut verhaftet, wurde er vom Oberlandesgericht Darmstadt wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt, aber mangels Beweisen freigesprochen. Um den ständigen Vorladungen durch die Gestapo zu entgehen, verließ er nach seiner Freilassung Darmstadt. 1945 kehrte er nach Arheilgen zurück und engagierte sich beim Wiederaufbau der KPD, für die er auch in die Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde. Dort wurde er Mitglied des Bauausschusses und Sportausschusses, dessen Vorsitz er übernahm. 1948 wirkte er bei der Zusammenführung der Arheilger Sportvereine zur "Sportgemeinschaft Arheilgen" mit. Für seine gesellschaftlichen Aktivitäten wurde er 1973 mit der silbernen Verdienstplakette der Stadt Darmstadt geehrt und 1977 zum Ehrenvorsitzenden der "Sportgemeinschaft Arheilgen" ernannt. Er gehörte 1949 zu den Gründern der gemeinnützigen Baugenossenschaft Arheilgen.

Aber auch der Künstler, Grafiker und Zeichner Helmut Lortz wäre eine Alternative.

Geboren wurde Lortz zwar 1920 in Schneppenhausen, er wuchs aber in Arheilgen auf und blieb dem Darmstädter Ortsteil sein Leben lang verbunden. Als Grafiker, Zeichner, Dozent an der Werkkunstschule Darmstadt und von 1959 bis 1986 als Professor für experimentelle Grafik an der Hochschule für Bildende Künste Berlin, der heutigen Universität der Künste, erlangte er einen hohen nationalen und internationalen Bekanntheitsgrad.

Helmut Lortz gehörte beinahe von Anbeginn (seit 1948) der nach den Jahren der nationalsozialistischen Kulturbarbarei erstandenen Neuen Darmstädter Sezession an. Er gestaltete über Jahrzehnte deren Kataloge, Plakate und Publikationen. Neben dem international bekannten Zeichen der "internationalen Funkausstellung Berlin" gestaltete er das allen Darmstädterinnen und Darmstädtern bekannte liebevolle Logo des Darmstädter Heinerfestes.

Dateien