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Redebeiträge

"Da, wo mal eine lebende Kultur-Szene mit gesunden Bäumen war, ist jetzt eine tote Baustelle"

Ayla Kara

Rede zur Veröffentlichung des Masterplans mit Standortuntersuchung "Informationszentrum Welterbe Mathildenhöhe" der ANP Architektur- und Planungsgesellschaft mbH; interimistische Einstellung der Planungs- und Umsetzungsarbeiten sowie Einrichtung eines befristeten Moratoriums (Vorlagen-Nr.: 2026/0100)

 

“Wer Demokratie einfordert, muss auch die Ergebnisse demokratischer Prozesse akzeptieren.” Mit diesem Satz hat der Oberbürgermeister zur Neujahrsansprache versucht, die Demonstrationen rund um den Osthang zu delegitimieren.

Hätten die Demonstrant*innen gewusst, dass der Oberbürgermeister nur mit dem Finger schnipsen muss, um den Bau zu stoppen, hätten wir uns wohl alle viel Zeit sparen können.

10 Jahre lang wurde am Osthang getanzt, gesungen und zusammengefunden. Wir hätten dankbar sein können, dass dieser wilde Ort so positiv belebt worden ist. Stattdessen mussten wir jetzt erfahren, dass die neuen Umstände, in die der OHA e.V. gedrängt wurde, ganz anders sind, als die Stadt ihnen versprochen hatte. Die Mainhall ist immer noch nicht aufgebaut, es gibt keinen Strom oder Wasser und auf dem neuen Grundstück wird nun Miete verlangt. Der Plan von der Stadt, ein Informationszentrum zu errichten, scheint gescheitert und der Osthang darf sich nun in die Sammlung von ewigen Baustellen Darmstadts einreihen.

Jetzt will keiner Schuld an den Planungsfehlern gewesen sein. Der Oberbürgermeister sagt, die Grünen waren es, die Grünen sagen, der OB war's.

Aber: Herzlichen Glückwunsch! Jeder einzelne, der damals für den Bau am Osthang gestimmt hat, hat Schuld.

Jeder, der die Hand gehoben hat, als es um den Standort Osthang ging, jeder, der es danach nicht gestoppt hat, jeder, der es dann noch verteidigt hat und jeder, der während der Räumung meinte, dass es halt jetzt so ist, da kann man nichts mehr machen.

Die Fraktion Die Linke und Tierschutzpartei und die Initiative Osthang bleibt! haben schon lange darauf aufmerksam gemacht, dass es nicht nötig gewesen wäre, ein Informationszentrum zu bauen, um der Welterbe-Bedingung nachzukommen. Jetzt wurde der Fehler im Nachhinein eingestanden.

Doch der eigentliche Fehler ist doch, dass eine lebendige Kultur-Szene aus ihrem Umfeld gerissen wurde und ins Nirgendwo geschickt wurde, dass gesunde Bäume gefällt wurden und der Osthang als Biotop massiv verkleinert wurde, dass Menschen bei dem Versuch, diesen Ort vor den Maschinen zu retten, mit einem massiven Polizei-Aufgebot von dem Gelände gejagt wurden, und dass die Jugend in ihrem Vertrauen in die Demokratie mal wieder enttäuscht wurde von Menschen, die eigentlich für sie einstehen sollten.

Im Wahlkampf hat man immer dieselbe Leier gehört: "Der Ort war nur auf Zeit zugesichert, die Stadt darf nicht davor zurückschrecken, solche Zugeständnisse zu beenden." Das hat dieses komplexe Thema geschickt auf ein kleines Spielfeld verkleinert. Doch es ist nicht nur die Nutzung des OHA e.V., die jetzt weg ist. Da wo mal eine lebende Kultur-Szcene mit gesunden Bäumen war, ist jetzt eine tote Baustelle.

Die Mathildenhöhe wurde ihres dritten Ortes beraubt.

Als Studentin der Informatik weiß ich, dass sich Fehler einzugestehen ein Teil davon ist, ein Projekt weiter zu entwickeln. Planen, Umsetzen, Überprüfen, Reagieren. Und in den kommenden Wochen wird sich wohl zeigen, wie die Stadt reagieren wird. Richtiges Reagieren auf Fehler kann nur mit Transparenz funktionieren, mit echten Kennzahlen und nicht gewünschten Besucherzahlen, die schön klingen, aber nie der Realität entsprechen werden. Der Ball liegt bei uns: Wie soll die Zukunft an der Mathildenhöhe aussehen?

Viele Menschen haben Interesse, diesen Raum mitzugestalten. Über 100 Menschen haben allein den offenen Brief der Initiative Osthang bleibt! unterschrieben. Anstatt sie auszuschließen sollten wir gemeinsam Lösungen finden. Eine Mathildenhöhe, die Informationen vermittelt, die Natur wertschätzt, und eine freie Kultur-Szene fördert.

Eine späte Einsicht ist immer noch besser als gar keine und wir begrüßen den Baustopp, auch wenn er jetzt aus den falschen Gründen passiert. Aber was folgt jetzt daraus?

Wir fordern, den alten Zustand, so gut es geht, wieder herzustellen, Subkultur wie den OHA e.V. wieder einzuladen, den Ort wieder mit Leben und Kultur zu füllen für die Menschen in der Nähe sowie eine Entschuldigung für den OHA e.V., die Initiative Osthang bleibt! und die Besetzer*innen des Osthangs. Weil die hätten mit ihrer Zeit auch wirklich anderes vorgehabt, als euch auf diesen schwerwiegenden Fehler über Monate hinweg aufmerksam zu machen.

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