Redebeiträge
Rede von Tamara Hanstein vom 10.12.2024 – "Neuer Ort für den OHA e.V."
zu SV-2024/0039 – Antrag der Fraktion Die Linke vom 27.11.2024 betr. "Neuer Ort für den OHA e.V."
Ich sagte schon im September, dass es einfach nur traurig ist mit dem Osthang einen weiteren Ort alternativer Kultur zu verlieren.
Und auch wenn vor 10 Jahren die Bauwerke der “Summer School” als vorübergehende Strukturen geplant waren, so hat sich der Ort mit den Veranstaltungen des OHA e.V. mittlerweile als fester Bestandteil der Darmstädter Kulturszene etabliert. Ein Ort, der die Möglichkeit eröffnet sich niederschwellig auszuprobieren in Kunst, Musik, Theater und anderem. Und gleichzeitig ein Ort des Beisammenseins, wo sich Menschen aus verschiedenen Kulturen, in unterschiedlichen Lebenssituationen treffen und verbinden können. Ein Ort, der durch seine Freiräume und seine kulturelle Vielfalt prädestiniert dafür ist heute die Kultur zu schaffen, die dann in hundert Jahren vielleicht das nächste Welterbe wird.
Diese Stadt darf dieses niederschwellige Angebot lebendiger Kultur nicht verlieren!
Es ist kein Geheimnis, dass wir wie auch der OHA e.V. es lieber gesehen hätten, wenn der Verein am Osthang hätte bleiben können. Aber hier in der Stadtverordnetenversammlung wurde im September ja schon beschlossen, dass dort nun das Informationszentrum für die Mathildenhöhe stehen soll. Und ungefähr zur gleichen Zeit, hatte der OHA e.V. auch schon beschlossen sich nicht weiter gegen das Informationszentrum zu stellen und mit der Stadt zu kooperieren. Sie taten dies in der Hoffnung, dass diese Kooperation ihre Chance auf einen neuen Ort für ihren Verein erhöht. Nun haben wir Dezember, spätestens mit Ende diesen Jahres in 3 Wochen wird es keine Veranstaltung mehr am Osthang geben dürfen und aus den Reihen des Vereins wurde mir berichtet, dass sie kein offizielles Angebot für einen neuen Ort erhalten haben. Der OHA e.V. weiß nicht wohin.
Deshalb beantragen wir, die Anerkennung, dass künstlerische Betätigung in kleinen Initiativen und Projekten, wie dem OHA e.V. unverzichbar für die kulturelle Vielfalt Darmstadts ist und wir beantragen den Magistrat zu beauftragen, den OHA e.V. bei der Suche nach einem neuen Ort zu unterstützen. Diese Ausgleichsfläche sollte zeitnah zur angekündigten Räumung zur Verfügung stehen, damit die Unterbrechung der Vereinsaktivität möglichst kurz ist und sie sollte auch sonst die nötigen Freiheiten für ihre kulturellen Aktivitäten bieten. Weiterhin sollte die Fläche zentral und gut erreichbar sein, damit auch der neue Ort attraktiv ist.
Dieser Antrag ist eine Bitte des OHA e.V., denn allen eventuellen Versprechungen unter der Hand zum Trotz, sie haben aktuell kein konkretes Angebot, wo sie hinkönnen. Wir haben im September beschlossen, dass sie da wegmüssen. Dementsprechend ist es noch nicht so lange, dass dieser neue Ort für sie ein so konkretes Anliegen war und sie sind ja auch erstmal davon ausgegangen, dass die Stadt sie unterstützt, aber jetzt kommt halt kein Angebot.
Deswegen: Ich wiederhole mich: Es wäre eine Tragödie den OHA e.V. und alle von ihm organisierten Veranstaltungen zu verlieren. Das sehe nicht nur ich so: Am Sonntag folgten ca. 300 Bürger*innen dem Aufruf der unabhängig vom OHA e.V. organisierten Initiative Osthang.bleibt und demonstrierten für den Erhalt des Osthangs. Vor etwas mehr als einer Woche wurde eine Petition für den Erhalt des Osthangs eröffnet, die jetzt schon 1564 Unterschriften aus Darmstadt und insgesamt 2160 Unterschriften hat. 653 Menschen war es sogar so wichtig, dass sie einen Kommentar hinterlassen haben. (Diese Kommentare wurden auch vorhin hier abgegeben.) Ich würde zur Verdeutlichung ein paar dieser Kommentare jetzt mal exemplarisch vorlesen:
„[Der] Osthang ist ein einzigartiger Ort, der Menschen aus allen Lebensbereichen zusammenbringt: Familien, Immigranten, Studierende und Rentner. Für mich (als Ausländerin) war der Osthang eine unverzichtbare Brücke, um Anschluss zu finden, die Kultur in Darmstadt kennenzulernen und ein Teil dieser Gemeinschaft zu werden. Ohne diesen Ort wäre es mir kaum möglich gewesen, so tiefgehende Verbindungen zu knüpfen. Es wäre ein großer Verlust, wenn zukünftigen internationalen Bewohnern unserer Stadt ein solcher offener und einladender Raum fehlen würde. [Der] Osthang ist nicht nur ein Ort, er ist eine Plattform für Austausch, Integration und gemeinsam Freunde im einfachen Beisammensein finden. Er muss erhalten bleiben.“
Eine weitere Person meint: „Mitten in der Stadt einen selbstverwalteten, unabhängigen Begegnungsort für Kultur verschiedenster Farben und Formen auf einer Grünfläche abzuschaffen und ihn baulich zu versiegeln beraubt Darmstadt nicht nur eines besonderen, einzigartigen Freiraums. Es setzt auch ein falsches Signal in einer Zeit, in der demokratische Werte und Vielfalt angegriffen werden. Die Begegnungen und die Vielfalt, denen der Osthang eine offene Tür und eine offene Bühne bietet, gilt es zu erhalten.“
Und ein kurzer noch: „Es muss einen Ort geben, an dem freie nicht kommerzielle Kultur sich verwirklichen kann.“
