Amerikanisches Theater: Abgerissen ist schnell...
In der Heimstättensiedlung, inmitten der eng gestaffelten Neubauten des "Ernst-Ludwigs-Parks", steht ein Gebäudekomplex umgeben mit hohem Maschendrahtzaun. Dies ist der Rest der Ernst-Ludwig-Kaserne, eine Reithalle mit Remisen (Wagenschuppen) und Ställen. Außen sind noch die Ringe zu sehen, wo Pferde "geparkt" wurden. In der Reithalle wurde Theater in englischer Sprache gespielt, auch noch nach dem Abzug der Armee aus der Kaserne. Deswegen wurde hier noch nicht abgerissen und neu gebaut mit Reihenhäusern. So sieht es nämlich der Bebauungsplan W32 von 2001 vor. Nun hat der alte Baudezernent in seinen letzten Amtstagen die Genehmigung zum Abriss unterschrieben. Er war bisher auch Vorsitzender des Aufsichtsrates der GVD, der Grundstücksentwicklungs- und Verwertungsgesellschaft Darmstadt mbH, zu 52% in Händen der Stadt, der Rest bei Privatinvestoren. Und der GVD gehört das Gelände.
Die Bewohner des "Ernst-Ludwigs-Parks" haben ihre Erfahrungen mit der GVD. Auf dem zentralen Ollendorffplatz mögen nicht mal Hunde ihr Bein an den wenigen Bäumchen in ihrem Pflanzkäfig heben. Die GVD hat einiges wieder gut zu machen. Schließlich will sie ja noch das Gelände des Sportvereins "Eiche" bebauen, wenn der als Nachbar von "Rot-Weiß" auf den früheren Schießplatz gezogen ist.
In einem "Runden Tisch" treffen sich Bewohner der Heimstättensiedlung. Sie wünschen Weiternutzung des Theaters und schlagen eine Nutzung für Hausaufgabenhilfe, Lesungen, ein Kulturcafé, eine Fahrrad- und Skateboardwerkstatt und auch für Theatergruppen vor. Auf den Freiflächen könne Basketball und Streetball gespielt werden. Ein "Heimstattium" eben, für dessen Neubau die Stadt kein Geld hätte. Bei einer Besichtigung konnte sich der Runde Tisch überzeugen, dass die Gebäude durchaus nicht baufällig sind, wie kolportiert wird. Die Amerikaner haben sogar die Steckdosen mitgenommen, aber die dürften zu ersetzen sein...
Unsere Meinung
Die LINKE.Stadtverordnetenfraktion hat erst mal einen Antrag auf Veränderungssperre gestellt. Bei der letzten Stadtverordnetensitzung stimmten alle Fraktionen dafür, nur Grün-Schwarz nicht. Damit hat die neue Koalition es vermasselt: es wäre ein Neuanfang für Bürgerwille und Nachdenklichkeit. Danach erschien eine Gruppe von Bewohnern der Heimstättensiedlung im "Darmstadtium". Sie übergaben eine lange Liste von Unterstützerunterschriften, die sich gegen den Abriss und für ein Stadtteilzentrum aussprechen.
Unser neuer OB wies danach die GVD an, vorläufig nicht abzureißen. Wir meinen, außer der ehemaligen Reithalle sollte mindestens ein Nebengebäude für Ballspiele als "In-door-Spielplatz" (neudeutsch) erhalten bleiben. Lärmgeplagten Anwohnern wäre das als Alternative zu einem Bolzplatz sicher recht. Zur Zeit werden aber die ehemaligen Ställe abgerissen. Wir bleiben dran.
