Bauverein: Wo bleibt der Respekt vor den Mietern?
Bauverein: Wo bleibt der Respekt vor den Mietern...
Am 15.11.2009 hatte der Hessische Rundfunk von Schimmelbefall in Dutzenden Bauvereinswohnungen im Süden von Eberstadt berichtet. Einen Tag später war eine Delegation von 14 Gießener Mieterinnen und Mietern der Bauverein AG, unterstützt von der dortigen Linksfraktion, nach Darmstadt gereist. Sie protestierten vor der Zentrale des Unternehmens gegen eine 20%-ige Mieterhöhung, die ohne jede vorherige Instandhaltung oder Sanierung der Gebäude verlangt wurde. Nach dem medienwirksamen Protest wurden die Mieterhöhungen fallen gelassen.
Wer sich in Darmstadt umhört, wird schnell feststellen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Viele Mieterinnen und Mieter der Bauverein AG sind stinksauer. Vor allem die "einfachen" Mietwohnungen sind betroffen, in denen Menschen leben, die es sich nicht leisten können, einfach die Wohnung zu wechseln, wenn der Vermieter auf ihrem Rücken Kosten spart und alle Beschwerden aussitzt.
Deshalb hat die Linksfraktion einen weiteren Fall aufgegriffen, den zwei Mieterinnen eines Wohnblocks in der Waldkolonie an uns herangetragen hatten Bei einer Begehung konnten wir dort eine ganze Reihe von Missständen feststellen:
- Schimmelbildung in mehreren Wohnungen aufgrund eines undichten Daches. Maler übertünchen den Schimmel, der immer wiederkehrt, das Dach wird nicht repariert.
- Heizkostenabrechnung aufgrund eines veralteten Heizungssystems extrem ungenau. Sie soll 2200 € für das Jahr 2008 nachzahlen, insgesamt sind es schon 4000 €. Eine andere Mieterin hat wegen der Probleme mit der Ablesung ihre Heizung abklemmen lassen und heizt mit Strom - unökologisch, aber für sie billiger.
- Illegale Kündigung mit Räumungsdrohung wegen Rückständen bei der Betriebskostennachzahlung. Die Bauverein AG droht, die allein erziehende Mieterin und ihren Sohn innerhalb von 10 Tagen vor Tür zu setzen, obwohl klar ist, dass die Forderung aus Problemen mit der Ablesung entstanden ist. Nach Rechtshilfe durch den Mieterbund wird dies nicht weiter verfolgt.
- Hohe Heizkosten aufgrund schlechten energetischen Zustands des Hauses. Selbst bei der von der Ablesungsmethode bevorzugten Mieterin liegen die Heizkosten 75% über dem Darmstädter Durchschnitt.
- Eisbildung im außen liegenden Treppenhaus. Auf Beschwerden wegen Unfallgefahr reagiert die Bauverein AG, indem sie die Mieter zur Selbsthilfe auffordert. Sand zum Streuen könne man sich auf dem Spielplatz besorgen. Bauliche Maßnahmen zur Beseitigung der Gefahr werden nicht in Betracht gezogen.
...und Verantwortung für Klimaschutz und Ökologie?
Die Mieterinnen berichten von äußerst unbefriedigender Kommunikation mit den Sachbearbeitern des Bauvereins: sie erleben leere Versprechungen bezüglich Instandhaltungsmaßnahmen, die Schuld für Missstände wird auf die Hausbewohner geschoben, und wer nicht klein beigibt wird mit juristischem Druck eingeschüchtert, bis er sich mit Hilfe des Mieterbunds zur Wehr setzt. Eine Mieterin hat durch ihre Erlebnisse in den letzten Jahren den Eindruck gewonnen, dass "der Bauverein bei uns nur das Allernötigste investiert und seine Mittel lieber für Neubau und Sanierung von Wohnungen für zahlungskräftige Mieter einsetzt".
Die Bauverein AG gehört zum größten Teil der Stadt Darmstadt. Im Vorstand sitzen Michael Siebel, SPD-Abgeordneter in der Stadtverordnetenversammlung und im hessischen Landtag, und Daniela Wagner, Darmstädter Bundestagsabgeordnete der Grünen und wohnungspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Von einem Wohnungsbauunternehmen in öffentlichem Eigentum erwarten wir Respekt und Rücksichtnahme im Umgang mit sozial benachteiligten Mietern, sowie Verantwortung für Klimaschutz und Ökologie, insbesondere eine Vorreiterrolle bei Investitionen in die energetische Sanierung auch von einfachen Wohnobjekten. Die Bauverein AG erfüllt diese Erwartungen zur Zeit nicht.
Nachdem wir den Fall in der Waldkolonie öffentlich gemacht hatten, kündigte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens, Dr. Hans-Jürgen Braun, in einem Brief an die Linksfraktion an, dass Instandhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen an dem Gebäude in Vorbereitung seien. Gegenüber der Mieterin mit dem Heizkosten-Problem wolle man sich kulant zeigen, solange das Problem mit der Verbrauchsmessung nicht gelöst sei. Selbstkritisch räumt Braun auch ein, dass es insgesamt "hin und wieder technische und organisatorische Fehler" bei der Abwicklung der Mietverhältnisse gebe, und verspricht Verbesserungen. So sollen noch in diesem Jahr "Mieterzufriedenheitsanalysen" durchgeführt werden. Es ist erfreulich, dass der Vorstandsvorsitzende nicht "mauert" wie seine Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeiter in den Briefen, die wir uns angesehen haben. Wir werden Herrn Braun beim Wort nehmen.
Doch eines nehmen wir Herrn Braun nicht von vornherein ab, nämlich dass die Probleme sich auf wenige Einzelfälle beschränken. Die Vernachlässigung vieler Gebäude sowie der respektlose Umgang mit den Mieterinnen und Mietern hat System. Damit allen geholfen ist, muss die Bauverein AG ihr Geschäftsgebaren grundlegend ändern. Um den dazu erforderlichen Druck herzustellen, werden wir die " Zufriedenheitsanalyse" mit einer Aktion "Bauvereins-Missstand des Monats" begleiten. Wenn Sie Mieterin oder Mieter der Bauverein AG sind und bei Ihnen etwas ganz gewaltig schief läuft, machen Sie uns darauf aufmerksam! Wir werden einmal im Monat einen besonders typischen, schwerwiegenden oder bizarren Fall auswählen, die Bauverein AG damit konfrontieren und ihn an die Öffentlichkeit bringen.
AKTION "Bauverein-Missstand des Monats"
Ärger mit dem Bauverein? Schimmel, Heizkostenabrechnung, ausbleibende Reparaturen, drastische Mieterhöhung?
Wir wollen es wissen!
Die Linksfraktion sucht schwerwiegende Missstände bei der Bauverein AG. Einmal im Monat wollen wir einen "Einzelfall" auswählen und aufbereiten, um den Bauverein-Vorstand damit zu konfrontieren.
Wenn Sie bereit sind, mit uns an die Öffentlichkeit zu gehen, schicken Sie eine kurze Beschreibung der Sachlage ein. Auch die Fälle, die wir nicht auswählen, werden wir an die Bauverein AG weitergeben.
Mail: bauverein@linksfraktion-darmstadt.de
Post: Fraktion DIE LINKE, Landgraf-Philipps-Anlage 32, 64283 Darmstadt
