Darmstadt als Fußnote
Die Neubaustrecke Rhein/Main-Rhein/Neckar ist längst überfällig. Aber nun droht das unsinnige Projekt Stuttgart 21 dieser Neubaustrecke die Mittel abzusaugen. Daher darf Darmstadt nicht mehr Prellbock für die Planung spielen.
Im Bundesverkehrswegeplan steht zu diesem Projekt folgende Fußnote: "Eine Einbindung des Schienenpersonenfernverkehrs in der Region Starkenburg ist über den Hauptbahnhof Darmstadt sicherzustellen". Diese Fußnote muss mit Leben erfüllt werden. Das kann entweder nur mit Vollanbindung oder mit höhenfreiem Anschluss an beide Gleise der Neubaustrecke im Norden Darmstadts erfolgen. An der Täubcheshöhle hat die Deutsche Bahn ohnehin eine "betriebliche Anbindung" geplant an die Ludwigsbahn Aschaffenburg-Darmstadt-Mainz (auch Main-Rhein-Bahn genannt). Daher ist es nicht einzusehen, warum sich die Stadt Darmstadt an dieser ohnehin geplanten Nordanbindung beteiligen sollte. Dieser Anspruch ist unseres Wissens auch nicht erhoben worden.
Nicht jeder ICE muss in Darmstadt halten. Aber es muss die Möglichkeit geben, dass in Darmstadt wie bisher ICE-Züge halten können. Die können dann wie bisher die Main-Neckar-Bahn Richtung Süden befahren.
Fern und regional auf denselben Gleisen
Die Neubaustrecke ist keine reine Expressstrecke, sondern eine Entlastung für die Main-Neckar- und die Riedbahn. Auf ihr können zwischen Darmstadt und sagen wir Wiesbaden auch Regionalzüge fahren. Es kann keine Rede davon sein, dass die Bahn deren Betrieb finanzieren soll. Es sollen für diese Züge lediglich gerechte Trassenpreise gelten. Das bedeutet, dass von DB-Netz nicht mehr Gebühr erhoben werden soll als auf der S-Bahnstrecke Darmstadt-Frankfurt.
Eine Untersuchung der Infraplan Consult errechnet für einen Pendelzug Darmstadt-Wiesbaden jährliche Betriebskosten von 10,6 Millionen €. Der Trassenpreis der Neubaustrecke geht für einen Zugkilometer mit 13,70 € ein. Würde er nur 4,31 € wie für die bestehenden Strecken betragen, würden die Betriebskosten fast 40% geringer ausfallen!
Die Fußnote hart verhandeln!
Hierzu ist ein Vertrag mit der Deutschen Bahn abzuschließen. Vertragstreue ist der Bahn selbstverständlich. So gibt es seit der vorletzten Jahrhundertwende für jeden Zug, der die Hochbrücken über den Nord-Ostsee-Kanal befährt, von der Kanalverwaltung bis heute Betriebserschwerniskosten, die der Bahn erstattet werden. Dagegen hat sich die Bahn bisher nicht gewehrt. Irgendwie müssen wir uns in Darmstadt ja für die vielen Straßenbrücken erkenntlich zeigen, welche die Deutsche Bahn unserer Stadt bei der Bahnreform 1994 geschenkt hat!
Etwa 3100 Fernreisende benutzen täglich den Hauptbahnhof. Die Mehrzahl der werktäglich ca. 40 000 Reisenden am Hauptbahnhof sind wegen ihrer Arbeit oder Ausbildung unterwegs. Der Nah- und Regionalverkehr ist das tägliche Brot, ein ICE-Verkehr nur das Sahnehäubchen. Trotzdem sind beide notwendig.
Die Verhandlungen sollten keinesfalls hinter verschlossenen Türen geführt werden. Da kam bisher nur fauler "Konsens" heraus. Denn "die Bahn bezahlt", so sagt Bahn-Chefplaner Paul Gerhardt, "nur, was notwendig ist." So sagen es übrigens auch die Krankenkassen.
Vernunft setzte sich durch
Die Darmstädter Sozialdemokraten befragten ihre Mitglieder. Eine Mehrheit stimmte für eine Schienenanbindung Darmstadts an den Flughafen-Fernbahnhof. Hiermit hat Realismus über reines Prestigedenken gesiegt.
Die neue Schnellfahrstrecke wird begründet mit der größeren Leistungsfähigkeit und Beschleunigung des Schienennetzes. Dann muss auch etwas getan werden an der vorhandenen Main-Neckar-Bahn. Vor Jahren schlug ein Blitz im Stellwerk Zwingenberg ein. Seither können Züge dort nicht mehr ins Nebengleis zum Überholen! Und: Es muss etwas abfallen zur Sanierung der Bahnhöfe, die im Winkel modern: Nord-. Süd-, Ostbahnhof und der in Eberstadt!
Hausaufgabe machen: der Airliner
Den Airliner in den normalen RMV-Tarif einzubeziehen, bedarf es nicht der Deutschen Bahn. Das sind Hausaufgaben. Die Buslinie "Air Liner" ist bisher überteuert, da er angeblich ein Bus 1. Klasse ist. Das gilt übrigens auch für Zeitkarten. Dabei braucht er fast eine halbe Stunde zum Flughafen. Auch jobbende Studenten mit Semesterticket und sogar Schwerbeschädigte müssen 3,50 € berappen. Je Fahrt!
