Das Fell des Bären
Ein großer Teil ihrer fast 2 km² großen Flächen im Bereich Darmstadt werden in Kürze von der US-Armee geräumt werden. Sie werden dann der Immobilienverwaltung des Bundes (BIMA) übergeben. Die Umwandlung von militärischer in zivile Nutzung wird Konversion genannt.
Die Beute von Investoren...
Schon jetzt wird öffentlich gehandelt, was damit zu machen ist. Auf einer Immobilienmesse in München wurden vor kurzem schon Investoren gesucht. Vor allem die Cambrai-Fritsch-Kaserne ist, weil am Hang und im Wald gelegen, für "hochpreisiges" Wohnen vorgesehen. Von Grundstücksgrößen um die 600 m² und aufwärts wird gesprochen. Statt derart Klientel zu bedienen, wäre viel mehr darüber nachzudenken, ob mit den Flächen der Wohnungsnot nicht so gut Betuchter abzuhelfen wäre
...oder Beispiel für Partizipation
Hierzu muss man wissen, dass seit Jahren um die 2000 sozialwohnungsberechtigte Haushalte über das Wohnungsamt eine Bleibe suchen. Die 580 Wohnungen von Lincoln Village und die 280 von Jefferson Village wären also blitzschnell zu vergeben. Immerhin sind sie fast alle vor wenigen Jahren modernisiert und wärmegedämmt worden. In einem Werkstattgespräch am 14. April 2008 hat unser Amt für Wohnungswesen aber gemeint, rund 10% der Wohnungen für Sozialwohnungen seien genug! Das kommt dabei heraus, wenn bei Beratungen die Immobilienhändler dabei sind. Sicher wird es wieder Lokalpolitiker geben, die Villenviertel als Standortvorteil preisen, als Lockmittel für Träger neuer Technologie und "Leistungsträger". Um es auf die Spitze zu treiben, sei daran erinnert, dass die Gemeinde Groß-Zimmern noch im 19. Jahrhundert Dorfarme mit den Reisekosten für eine Auswanderung in die USA versah, um sie loszuwerden.
Wir fordern jedoch, dass die weitere Nutzung der Kasernen- und Exerzierflächen von den Städten Darmstadt und Griesheim und dem Landkreis Darmstadt-Dieburg gemeinsam zu planen sind. Ein Schwerpunkt der weiteren Nutzung muss auf Wohnen in preiswerten Wohnungen liegen. Hierzu ist die vorhandene Lincoln- und die Jefferson- Siedlung weiter zu nutzen. Mittel für Planung und evtl. Grunderwerb sollen durch Querfinanzierung gewonnen werden, indem das jetzige Nathan Hale Depot in Gewerbegebiet umgewandelt und das Übungsgelände Beckertanne West und die Rifle Range bei Messel renaturiert und als Ausgleichsflächen für die geplante ICE-Schnellfahrstrecke umgewidmet werden.
In diesem Zusammenhang wird daran erinnert, dass immer mehr Sozialwohnungen aus der Förderung herausfallen und kaum noch welche neu gebaut werden. Eigene Berechnungen ergeben, dass der Anteil der Haushalte mit Anspruch auf Sozialwohnung je nach Anschauung zwischen 28% und 45% aller Haushalte liegt. Vorhandene Schätzungen in deutschen Großstädten belaufen sich auf 43%.
...sonst kommt nur Breite mal Länge mal Euro heraus.
Unsere Meinung
Wir schlagen eine innovative Bildung von Bewohner-Gemeinschaften als Genossenschaften vor. Diese haben dann Mitsprache bei weiteren Planungen.
Der "Ernst-Ludwig-Park" ist ein Beispiel dafür gewesen, wie es nicht sein sollte. Dagegen gibt es vor allem in Kranichstein mehrere innovative Projekte wie "Wohnsinn" und "WohnArt", von denen zu lernen ist. Und schließlich gibt es in Darmstadt ältere Traditionen gelungener Konversion: Der Bau der Heimstättensiedlung in Eigenhilfe aus den Steinen der "Pulverhäuser" und die Nutzung der Funker- und Luftschiffer- Kaserne in der Waldkolonie.
