Rabulistik: Lehranstalten sind keine Schulen
Jetzt, wo die Stadt kein Geld mehr für sie hat, sind sie bekannt: Pharmazeutisch-Technische Angestellte, früher als Apothekenhelfer bekannt. Weitgehend unbekannt ist, dass die Stadt Darmstadt anders als bei anderen Berufszweigen nicht nur für das Gebäude der Berufsschule aufkommt, sondern auch für ihre Lehrkräfte. Das lässt sich die Stadt 360.000 € Zuschuss kosten. Nun hat die Stadt keine Spielräume mehr, was sie zum Teil selbst verschuldet hat. Die Stadt macht nun deutlich, dass für sie der Zuschuss ein Auslaufgeschäft ist.
Da sie nicht mehr weiter weiß, bildete sie einen Arbeitskreis. Die 14 hoch spezialisierten Voll- und Honorarkräfte dieses Ausbildungszweiges an der Martin-Behaim-Schule sehen sich existentiell schon in der Luft hängen. In den Apotheken werden Unterschriften gesammelt für die Beibehaltung der PTA-Ausbildung in Darmstadt. Aber das ist ja nur die halbe Wahrheit. Zusätzlich bezahlen nämlich die PTAs während ihrer 2 Jahre Schulzeit monatlich 120 € Schulgeld, das schamhaft "Laborgeld" genannt wird. Die gleichaltrigen CTAs (Chemisch-Technische Angestellte) müssen das nicht. Die unterstehen nämlich dem Kultusministerium und die PTAs nicht. Letztere werden vom Sozialministerium "betreut", wie übrigens alle Gesundheitsberufe. Aber die Sozialministerin scheint für die Auszubildenden eine wahre Rabenmutter zu sein und hat kein Geld für Berufsausbildung. Und so kommt es, dass hoch motivierte junge Menschen auch noch Schulgeld zahlen müssen. Und es kostet überall Geld: für Physiotherapeuten, Logopäden und Hebammen, für Heilpädagogen, Ergotherapeuten und so auch für PTAs. Nicht dass nach der Ausbildung dann das Große Geld winkt, auch Selbständigkeit schützt.
Da in der Hessischen Verfassung nun aber Schulgeldfreiheit proklamiert ist, wird zu rabulistischen Tricks, d.h. einer "gestalterischen" Auslegung des Rechts gegriffen. Da schließlich niemand PTA werden muss, gibt es für diese Ausbildung auch keine Schulpflicht.
Unsere Meinung
Die Martin-Behaim-Schule ist für PTAs eben keine Schule, sondern eine Lehranstalt! Und die PTAs in Darmstadt sollen noch froh sein, dass ihre Schule kommunal ist. Die anderen PTA-Schulen in Hessen sind nämlich privat. Aber hat unser Magistrat je gegen diese Zustände protestiert, hat er sich beim Land zu einem geharnischten Protest aufgeschwungen, sich wie der Rächer der Enterbten für unsere jungen Mitbürger eingesetzt? Nein, denn unser Oberbürgermeister ist schließlich nicht Zorro.
Anders die braven Beamten des Staatlichen Schulamtes. Diese Landesbediensteten sind bei ihrem Dienstherrn vorstellig geworden und haben gefordert, dass alle Ausbildungszweige dem Kultusministerium zu unterstellen sind.
Wir haben eine Kleine Anfrage gestellt. Lesen Sie unter !!www.linksfraktion-darmstadt.de die Anfrage und die Antwort des zuständigen Dezernenten Dierk Molter
