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Service-Wüste Arge Darmstadt

Frank Gerfelder

Deutschland hat nun in Darmstadt ein weiteres Beispiel für ihren unaufhaltbaren Siegeszug erhalten. Seit 1. Oktober diesen Jahres ist es Hartz-IV-Empfängern nicht mehr möglich, mit ihren Persönlichen Ansprechpartnern (PAPs => das offizielle Kürzel heißt tatsächlich so) in der ARGE Darmstadt, dem "Zentrum für Existenzsicherung und Beschäftigung" telefonisch in Kontakt zu treten.
Ohne offizielle Ankündigung werden die "Sozialtransferempfänger" in Darmstadt ab dem 1. Oktober mit einem lapidaren Hinweis auf Anrufbeantwortern überrascht, dass auf Grund einer "technischen Änderung" nur noch die zentrale ARGE-Nummer erreichbar sei.
Wählt man diese Nummer, landet man auf einer schier endlosen Warteschleife, die am Ende allerdings nicht zum gewünschten Kontakt mit der ARGE Darmstadt führt.

Ahnungslose Anrufer

Stattdessen tritt der ahnungslose Anrufer mit einem sogenannten "Service-Center" in Wetzlar in Verbindung. Die entsprechende Mitarbeiterin des "Service-Centers" verweist bestenfalls darauf, dass ihre Einrichtung Teil der Bundesagentur für Arbeit (BA) und der Persönliche Ansprechpartner (PAP) in der ARGE telefonisch nicht erreichbar sei. Erstaunt über diesen Umstand, muss der ahnungslose Anrufer nun zu seiner Identifizierung die ihm zugewiesene "Bedarfsgemeinschaftsnummer" nennen. Wenn er nach Nennung dieser Nummer endlich sein Anliegen an die Frau bzw. den Mann in Wetzlar gebracht hat, kann er nur hoffen, dass sein PAP in Darmstadt in irgendeiner Form informiert wird.

Rauchzeichen

Zum Glück werden dafür keine Rauchzeichen verwendet. Statt dessen erhält der zuständige PAP entsprechende E-Mail Benachrichtigungen aus Wetzlar. Diese Benachrichtigungen bergen leider die Gefahr missverständlicher Interpretation in sich.
Viele unserer Leserinnen kennen bestimmt noch das alte Kinderspiel "Stille Post". In diesem Spiel wird eine Nachricht verbal von einem Mitspieler zum nächsten weitergegeben. Am Ende wird die etwas entstellte Nachricht zur Freude der Spielenden kundgetan. So ähnlich funktioniert auch die Informationsweitergabe zwischen dem sogenannten "Service-Center" in Wetzlar und der entsprechenden ARGE.
Den Hartz-IV-Empfängern in Darmstadt bleibt nur der stille Wunsch, dass ihr Anliegen möglichst‚ ungefiltert, d.h. wenigstens sinngemäß an den zuständigen PAP gebracht wird.
Laut Sozialdezernent Jochen Partsch (Grüne) soll das "Service-Center" in Wetzlar der Entlastung der Mitarbeiter in der ARGE dienen. Ob dieses Ziel mit dem "Stille-Post"-Verfahren tatsächlich erreicht wird, halten wir zumindest für fragwürdig.

Herr Eidmann

Der Geschäftsführer der ARGE Darmstadt, Herr Eidmann, verkündete unlängst, dass es selbstverständlich möglich sei, dass Hartz-IV-Empfänger in dringenden Fällen - was wohl heißen soll existenziellen Fällen - mit ihrem zuständigen PAP telefonisch verbunden werden können. Ob dies tatsächlich so gehandhabt werden kann und was denn solch dringende Fälle wären, ließ Herr Eidmann leider offen. Wir können für die Betroffenen nur hoffen, dass sie nie gezwungen sein werden, es selbst auszuprobieren.

Unsere Meinung

Was sich allerdings bereits jetzt abzeichnet: dieses sogenannte "Service-Center" - die Bezeichnung "Call-Center" wäre wohl passender - bietet mit Sicherheit keine Service- Verbesserung für die Hartz-IV-Empfänger in Darmstadt. Im Gegenteil!
Statt sich der Sorgen und Nöte der "Hartz-IV-Kunden" anzunehmen, hat sich Sozialdezernent Partsch offensichtlich dafür entschieden, dass sogenannter "telefonischer Service" jetzt nicht mehr in Darmstadt, sondern nur noch in "abgespeckter" Form in Wetzlar stattfinden soll.
Unsere Fraktion hat nun zu dieser Thematik eine "Große Anfrage" gestellt.

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