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Städtische Ehrengräber

Rainer Keil

Unsere Fraktion hat in den letzten Jahren parlamentarisch und öffentlich auf problematische Ehrengräber hingewiesen. Insbesondere die "braune" Vergangenheit einiger so Geehrter muss aus unserer Sicht Anlass zur Überprüfung sein.
Ein exemplarisches Beispiel macht die ganze Misere deutlich:

In Darmstadt war letztes Jahr die viel beachtete Ausstellung "Verstummte Stimmen: Der Kampf um das hessische Landestheater Darmstadt" zu sehen. Dort wurde auch das Schicksal des Leiters der Opernschule in der Akademie für Tonkunst dokumentiert. Er wurde 1933 seines Postens enthoben - er war Jude. Aller Wahrscheinlichkeit nach wurde er von Hans Simon entlassen, dessen die Stadt Darmstadt in einem Ehrengrab gedenkt. Simon trat am 1.5.1933 der NSDAP bei und hatte die Mitgliedsnummer 22911072, nachdem er bereits zuvor die Position des Dirigenten des Kammerorchesters des "Kampfbundes für deutsche Kultur" innehatte. Im April 1933 wurde er kommissarischer Leiter der städtischen Akademie für Tonkunst, wobei ihm vor allem die Aufgabe der Gleichschaltung zufiel.
Unsere Fraktion hat den Stadtoberen Belege und Beweise zur Verfügung gestellt. Im Fall Hans Simon sind dies außer dem Auszug der NSDAP-Mitgliedsdatei, der Personalfragebogen der Reichskulturkammer und ein Artikel aus der "Darmstädter Zeitung" vom 12.10.1933. Hierin wird anschaulich gewürdigt, wie Simon aus der Akademie für Tonkunst "ein straff geformtes Ganzes" machte, "das vom Geist des neuen Deutschland durchflutet ist und diesem Geist dient."

Reaktion bisher: keine.

Alle Versuche unserer Fraktion, die Friedhofssatzung zu ändern, für mehr Transparenz zu sorgen oder dem Beispiel anderer Städte zu folgen und eine "Ehrengrab-Satzung" zu entwickeln, wurden von der Mehrheit der Stadtverordneten abgelehnt. Unser Vorschlag, eine Kommission zur Neubewertung der städtischen Ehrengräber einzusetzen wurde zur Kenntnis genommen. In einer Reaktion auf einen offenen Brief versicherte uns OB Walter Hoffmann am 17.05.2005, er stehe der Einsetzung einer solchen Kommission aufgeschlossen gegenüber. Getan hat sich seither aber: nichts.

Unsere Meinung

Unsere Fraktion hat daher einen Antrag in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht, die die Bildung einer solchen Kommission fordert. Man wird sehen wie sich die Mehrheit der Stadtverordneten dazu verhält.

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