Südbahnhof
Der Südbahnhof, ein denkmalgeschütztes Kleinod in Betonwerkstein am Haardtring. Nun im Stadium permanenten Zerfalls. Das runde Fenster, eines seiner Augen: zerbrochen. Der Bahnsteigzugang: vollgesprayt, Pissegeruch, ein Jammer. Es wohnt auch keiner mehr in den ehedem bis zu fünf Wohnungen.
Die Deutsche Bahn hat nicht lange nach Interessenten gesucht, die es sicher gibt. Sie hat den schnellen Euro gesucht, weil das die Bilanz schönt vor dem Börsengang. Sie hat 490 Bahnhöfe en bloque verkauft an die Firma Patron S.A.R.L., ansässig in Luxembourg (Lëtzebuerg), in der Rue Adolphe Nr.6. Das Kürzel heißt wörtlich übersetzt "Anonyme Gesellschaft mit begrenzter Verantwortlichkeit" und das dürfte ernst gemeint sein. Zumindest einen Briefkasten dürfte sie in der Adolfstraße hängen haben. Sie lässt sich vertreten von der RGM Gebäudemanagement GmbH in Dortmund. Herr Barkhausen aus deren Zweigstelle in Dreieich fühlt sich zwar zuständig, er will aber die "Datenlage" erkunden und dann das Objekt "nachfragegerecht verwerten". Außerdem seien noch nicht mal die Pläne übergeben.
Der Bahnsteigzugang gehört jedoch noch der Bahn. Jeden Tag benutzen Hunderte Fahrgäste den Haltepunkt. Alle Möglichkeiten sind ausgeschöpft, ein Fahrrad anzuschließen: die wenigen Fahrradständer, Maste und Geländer.
Wegen des Zustandes haben wir dem Magistrat eine Kleine Anfrage gestellt. Ein Teil des Geldes für die viel zu große Bahngalerie am Hauptbahnhof hätte auch eine Fußgängerbrücke zur Heimstättensiedlung ermöglicht. Aber hier steigen ja nur "normale" Bürger ein und aus.
