Wenn Politik nichts kostet
Manche Anträge kosten nichts außer gutem Willen. Einen Platz umbenennen zum Beispiel. Doch zur Sache: Der zentrale Quartiersplatz des neuen Baugebietes K6 in Kranichstein heißt "Strahringerplatz", benannt nach Prof. Dr. Wilhelm Strahringer (1898-1982), Vorstandsmitglied der HEAG. In der Nähe hatte die HEAG ihre Verwaltung gebaut. Dr. Strahringer hat Wohltaten verteilt vor allem an Vereine, und das ist nicht vergessen worden. Sicher ist, die Gebührenzahler haben sich stillschweigend beteiligt, meistens ohne es zu wissen.
Nun ist die HEAG (heute HSE) auf die Knell gezogen. Den Platz gibt es bisher nur als staubige Wiese, den Namen kennt keiner der Nachbarn, aber er heißt nun schon seit genau 10 Jahren so. Es gibt nicht einmal Straßenschilder, und deswegen ist unser Antrag so billig: den Platz umzubenennen nach einer Frau, die schon im 19. Jahrhundert Politik gemacht hat auf ihre Weise: Karoline Schulz.
Sie war die erste Ehefrau von Friedrich Wilhelm Schulz, eines Demokraten des frühen 19. Jh. aus Darmstadt. Nach diesem Mann ist bereits im Baugebiet K5 ein Weg benannt. Karoline befreite ihren Mann aus der Festungshaft in Babenhausen mit eingebackener Feile. Die Schweiz gewährte dem Ehepaar Asyl, wo sie Nachbarn von Georg Büchner waren. Das Paar pflegte Büchner bis zu seinem Tod im Jahre 1837.
Dies und mehr über die Schulzes lässt sich dem Internet entnehmen. Übrigens tragen alle Straßen dieses Baugebietes die Namen politisch aktiver Frauen. Ein würdiger Name!
